Von Stephan Brües
Friedensorte vernetzen
Die Sonne schien über mehr als einem Dutzend weiß gekleideter Menschen aus dem Umfeld von Friedenswege e.V. und Wehrhaft ohne Waffen am Oberrhein, die sich an der Evangelischen Stadtkirche in Offenburg versammelten, um für den Frieden und eine Kultur der Gewaltfreiheit aufzustehen. Eine Aktion anlässlich des Tages der Gewaltfreiheit der Vereinten Nationen am 2. Oktober (siehe Kasten zum Hintergrund am Ende des Textes).
Da der Initiator, der Verein „Friedenswege e.V.“, ein Netzwerk aus Friedensorten in der Region Oberrhein (diesseits und jenseits der deutsch-französischen Grenze) ist, war die Idee, Friedensorte in Offenburg aufzusuchen, ihren Beitrag zum Frieden (in all seinen Facetten) zu würdigen und mit einem kolumbianischen Tanz zu dem Lied „Para la guerra nada“ (Für den Krieg nichts) von Marta Gómez zu erfreuen.
Soziale Verteidigung heißt sich vernetzen
Soziale Verteidigung, die die Initiative „Wehrhaft ohne Waffen“ einführen will, lebt davon, Menschen zusammenzuführen und zu vernetzen. Ein Netzwerk beginnt mit Orten, an denen Menschen aktiv sind: für Frieden, sozialen Zusammenhalt, gerechten Welthandel, Bildung für Demokratie. In Offenburg gibt es – wie auch anderswo – viele solcher Orte und diese sollten zunächst symbolisch und dann realiter verbunden werden.
Fünf solcher Orte hat die Aktion tänzerisch und mit einer kurzen anerkennenden Laudatio verknüpft.
Von Friedensort zu Friedensort
‚Töne des Friedens‘ in der Stadtkirche
Die Aktion begann mit einem Orgelkonzert des Bezirkskantors Traugott Fünfgeld. Er spielte an der frisch erneuerten Kirchenorgel der Stadtkirche eigene Stücke und das Stück „Verleih uns Frieden gnädiglich“ von Felix Mendelssohn Bartholdy.
Anschließend erhielt er ein kleines Plakat, auf dem sein Friedensengagement gewürdigt wurde: „Mit kräftigen wie sanften Fingern holt er die Töne des Friedens hervor. Mit Empathie und Feuer lockt er als Kantor die volle Musikalität aus den Chören der Stimmen und Posaunen hervor. Und er schreibt wunderschöne Musik über seine Vorbilder Albert Schweitzer (der Organist) und Martin Luther King – und manche mehr. Dass er all dies erschaffen kann, verdankt er seiner Gemeinde mit all ihren Aktiven. Sie kräftigen ihn und seine, ja unserer aller Friedenstöne. Und sorgen für Local Peace.”
Ähnliche Texte erhielten auch die weiteren Vertreterinnen der Friedensorte:
Kloster Unserer Lieben Frau:
Zunächst das Kloster Unserer Lieben Frau: “Sie bieten nicht nur den Raum der Stille an, um im hektischen Alltag zur Besinnung zu kommen, sondern engagieren sich ‘mitten drin’ im Leben der Menschen. So nützen sie ihnen mit ihrer Liebe und schaden ihnen nicht.” Dessen Leiterin, Schwester Martina, freute sich sichtlich. Und sie spannte den Bogen zum nächsten Ort …
Weltladen Regentropfen
… dem Weltladen Regentropfen wenige Meter weiter, wo Christine Junker die Gruppe empfing. Dank des Weltladens „hat jeder Offenburger Mensch die Möglichkeit, sich für ein Stück Gerechtigkeit im Handel zu entscheiden.“
Denn ohne Gerechtigkeit gibt es keinen Frieden.
Salmen (Museum und Gedenkstätte)
Im Salmen, der nächsten Station, wurde gedankt für die Dokumentation der 1848er Revolutionär*innen, von deren damaligen Forderungen „es viele in unser heutiges Grundgesetz geschafft haben, etwa die Gleichheit vor dem Gesetz“.
Stadtteil- und Familienzentrum Innenstadt
An der letzten Station, dem Stadtteil- und Familienzentrum, das „mit der Vermittlung ihrer Räumlichkeiten für Bewohner*innen, mit der Stadtteilarbeit, dem Kindergarten u.v.m. zum Frieden in der Stadt beiträgt”, schauten die Kindergartenkinder auf den Tanz der Aktiven. Und applaudierten kräftig. Die Botschaft des Friedens und guten Lebens war bei ihnen angekommen.
Fazit
Die Aktion zum Tag der Gewaltfreiheit hat sehr viel Spaß gemacht. Und zumindest bei den besuchten Orten, ein wenig auch bei Passant*innen in der Langen Straße Offenburgs ist die Botschaft auch angekommen. Leider hat uns kein*e Journalist*in begleitet, wie wir uns das erhofft hatten. Vermutlich war die Uhrzeit (11.30-13.30) genau in der Zeit der Redaktionssitzung. Ich habe diesen Bericht mit ein paar Bildern an die Zeitungen gesandt und eine Zeitung hat sie gekürzt und redaktionell bearbeitet veröffentlicht.
Diese einfache und relativ unaufwändige Aktion, die Orte und Menschen einer Stadt tänzerisch und durch Respektbekundungen verbindet, könnte auch an anderen Orten so oder so ähnlich durchgeführt werden. Und es muss gar nicht am 2.Oktober sein, sondern kann an jedem anderen Tag geschehen. Nachahmung ausdrücklich erwünscht!
Hintergrund: Die Aktionsidee von Stefan Walther
Die allermeisten Menschen möchten keinen Krieg, sondern Frieden. Sie fühlen sich aber ohnmächtig gegenüber dem Kriegsgeschehen an vielen Orten dieser Welt.
Seit Gandhi ist bekannt, dass die Regierenden und Herrschenden auf die Unterstützung und Kooperation, zumindest aber auf die Tolerierung durch die Bevölkerung ihres Landes angewiesen sind. Jeder noch so autoritäre Herrscher verliert seine Macht, wenn die Bevölkerung seines Landes ihm die Unterstützung, Mitarbeit und Tolerierung entzieht. Die Geschichte ist reich an Beispielen und die Wirksamkeit wurde durch die Wissenschaft bestätigt.
Die Aktion „Aufstehen für den Frieden. Gewaltfrei. Weltweit.“ fordert :
- Eine vollständige atomare, biologische, chemische und konventionelle Abrüstung im Rahmen eines internationalen Abrüstungsvertrages der von der UNO ausgearbeitet und überwacht wird.
- Die UNO erarbeitet kontinentale und globale Sicherheits- und Polizei-Konzepte
- Eine „Allgemeine Erklärung der Gewaltfreiheit“ aufbauend auf der „Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte“
Die Aktion „Aufstehen für den Frieden. Gewaltfrei. Weltweit.“ soll weltweit jedes Jahr am 2. Oktober stattfinden.Alle Aktionen sind gewaltfrei und beachten die Prinzipien der Gerechtigkeit, Gleichheit, Freiheit und Verantwortung. Alle Aktionen sind von Kraft und Liebe geprägt und fordern Frieden und Abrüstung im eigenen Land. Die Organisation und die Aktionen erfolgen dezentral, sollen niederschwellig und einladend sein. Angestrebt ist eine überall gleichzeitig stattfindende Demonstration, wenn möglich um `Fünf vor Zwölf´, zum Beispiel ein einfaches Aufstehen oder auf die Straße gehen, Menschenketten bilden oder gemeinsam singen und tanzen. Die Aktionen in freieren Ländern ermuntern und schützen solidarisch die Aktionen in repressiveren Ländern. Sollten Regierungen und Herrschende weiterhin Kriegshandlungen verfolgen, werden sie durch demokratische Wahlen oder zivilen gewaltfreien Widerstand zum Rücktritt gezwungen. Die Aufgabe der zivilgesellschaftlichen Akteure ist die Organisation gewaltfreier Proteste für eine globale Ächtung aller Kriegsvorbereitungen und Kriegshandlungen, sowie für eine globale umfassende Abrüstung.
Zum Autor
Stephan Brües ist Redakteur bei gewaltfreienaktion.de und hat diese Aktion für Offenburg umgesetzt, wo er bis vor kurzem in einem Teilzeitjob die Kampagne Wehrhaft ohne Waffen am Oberrhein koordiniert hat.
1 Gedanke zu „Eine Friedensaktion, die Spaß macht und Menschen und Orte verbindet“
Dese Aktion gefällt mir. Ich fühle mich ermutigt,, sie für eine ähnliche Veranstaltung in Köln vorzuschlagen.