Von Stephan Brües
Wer ist die WRI?
Die War Resisters‘ International (WRI) wurde 1921 in Bilthoven bei Utrecht, Niederlande, gegründet. Sie ist ein weltweites Netzwerk antimilitaristischer und pazifistischer Bewegungen, die sich der Grundsatzerklärung verpflichtet fühlen: „Der Krieg ist ein Verbrechen an der Menschheit. Ich bin daher entschlossen, keine Art von Krieg zu unterstützen und an der Beseitigung aller Kriegsursachen mitzuarbeiten.“
Hauptamtlich arbeiten bei WRI Andrew Metheven für Gewaltfreiheit / Konstruktive Friedensarbeit und die AG „Klimagerechtigkeit und Militarismus“ sowie Semih Sepmaz und Natalia García Cortés für das Recht, das Töten zu verweigern, und gegen die Militarisierung der Jugend. Die beiden ersten wohnen in Großbritannien, Natalia in Bogota, Kolumbien. Ihnen zur Seite steht ein Vorstand und Ratsmitglieder, die zum Teil von den Mitgliedsorganisationen entsandt, zum Teil als individuelle Mitglieder gewählt werden. Der Rat trifft sich jedes Jahr – im Wechsel einmal online, einmal in Präsenz. Das Treffen in Barcelona war das Präsenztreffen.
Etwa alle vier Jahre trifft sich die internationale Ratsversammlung. Ich war dabei: 2006 in der Nähe von Paderborn, 2010 in Ahmedabad, Indien, 2014 in Kapstadt, Südafrika, 2019 in Bogotá, Kolumbien, 2023 in London. Das nächste Treffen ist 2027 wieder in Asien (Südkorea oder Thailand) geplant. Erfreulicherweise finanziert eine Stiftung die hauptamtliche Koordination für die Vorbereitung.
Die genannten inhaltlichen Schwerpunkte der Hauptamtlichen wurden in den letzten Jahren erweitert um Fragen von Diversität und Identität, um den Schutz von Aktivist*innen und seit dem Ratstreffen in London 2023 um die AG Klimagerechtigkeit und Militarismus (siehe https://gewaltfreieaktion.de/englische-broschuere-militarismus-und-klimakrise/ ). Die Arbeit der letztgenannten AG wird für 2026-28 von der Marmot Charitable gefördert. Weitere Förderer der WRI- Arbeit sind die Joseph Rowntree-Foundation, das Network for Social Change und die deutsche Stiftung „Die Schwelle“.
Die Jahrestagung 2025 in Barcelona
„Disarming Militarism: Resisting War – Building Peace“ (Militarismus entwaffnen: Krieg widerstehen – Frieden schaffen): Unter diesem Thema trafen sich knapp 50 WRI-Aktive vom 26. bis 29.11.2025 zur Ratstagung in Barcelona.
Als neue WRI-Mitglieder wurden zwei neue antimilitaristische Gruppen aus Spanien und die beiden sudanesischen Organisationen STAND und BANA aufgenommen. Mit der Diaspora-Gruppe BANA plant der deutsche Bund für Soziale Verteidigung eine enge Kooperation.
Intensiv wurden die Schwerpunktthemen Klimagerechtigkeit und Militarismus sowie Kriegsdienstverweigerung, Wehrpflicht und Rekrutierungen besprochen.
Aktive aus Kolumbien, Südkorea, Israel, Italien, Russland, Sudan und Palästina erzählten über ihre politische Arbeit gegen Militarismus und Krieg.
Der Film „Et faram un home“ (Wir machen einen Mann aus dir, siehe https://www.3cat.cat/3cat/et-faran-un-home/video/6313181/) zeigte eindringlich die psychische und physische Folter in spanischen Militärkasernen in den 1970er und 1980er Jahren.
Öffentliche Veranstaltungen
Mai Shetta von der sudanesischen Frauenorganisation BANA erklärte bei einer öffentlichen Veranstaltung in der Universidad de Barcelona die Hintergründe des Krieges zwischen der sudanesischen Armee und der Miliz RSF. Dieser bringt unendlich viel Leid für die Zivilbevölkerung, er kommt in Darfur einem Genozid nahe.
Beide Armeen werden von umliegenden Regionalmächten sowie von Russland und der Ukraine versorgt. Auch deutsche Waffen werden dort eingesetzt. Dennoch wird dieser Krieg in der Öffentlichkeit und in den Medie kaum wahrgenommen. Vielfach verzweifeln die Opfer.
Faszinierend ist dagegen die Resilienz der sog. Nachbarschaftskomitees im Sudan. Sie organisieren die humanitäre Versorgung der Menschen von der Basis her, da es die staatlichen Stellen nicht tun.
Die Aktivist*innen Ali Awad und Rawan Mahmoud berichteten über den ganz anders international wahrgenommenen Krieg in Gaza und den Konflikt um das Westjordanland – und zwar hautnah: Rawan hatte am Morgen der Veranstaltung erfahren, dass ihre Familie von israelischen Kräften aus ihrem Haus vertrieben wurde.
Ermutigend und motivierend war die Schilderung Jungmin Chois über den erfolgreichen gewaltfreien Widerstand gegen den putschenden Präsidenten Südkoreas Ende 2024 (siehe ausführlich ihr Bericht auf https://gewaltfreieaktion.de/die-suedkoreanerinnen-haben-einen-autoritaeren-staatsstreich-verhindert-was-wir-davon-lernen-koennen/).
Die beiden Schwerpunktthemen der Jahrestagung
Eine Arbeitsgruppe trug Informationen über die aktuelle Situation der Kriegsdienstverweigerer*innen und Deserteur*innen in vielen Teilen der Welt zusammen und erwog Möglichkeiten der Unterstützung.
Eine andere befasste sich mit dem Schwerpunktthema Klimakatastrophe und Militarismus.
Zu Beginn gab es eine globale Bestandaufnahme der Probleme: Emissionen des Militärs, enge Beziehungen der fossilen Wirtschaft mit Rüstungsfirmen und Militärs usw., und es wurde vom Widerstand in allen Teilen der Welt berichtet, v.a. der indigenen Gemeinden.
Am zweiten Tag wurde eine Vision für 2050 entwickelt: eine Welt, die dezentral, ökologisch, sozial und gemeinwohlorientiert organisiert ist und in der Konflikte gewaltfrei bearbeitet werden. Gemeinden als Keimzelle zur Umsetzung all dieser Ziele von unten nach oben (siehe Foto 2).
Als Wege, die dorthin führen sollen, wurden bereits Kampagnen entwickelt, an denen WRI-Gruppen mitarbeiten wollen:
– Politik dazu bringen, die Militär-Emissionen offenzulegen und Militärflugshows als besonders großes Emissions-Schleudern zu verbieten (siehe die katalanische und spanische Seite des Centre Delàs d’Estudis per la Pau: https://noemisionesmilitares.org/ca/);
– Senkung der Militärausgaben um zehn Prozent (Kampagne u.a. von der Rosa-Luxemburg-Stiftung und dem International Peace Bureau (IPB): „10 % for all“;
– alle staatlichen Subventionen für Produkte, die die Umwelt schädigen, stoppen (siehe z.B. https://www.businessfornature.org/news/subsidy-reform oder https://www.carbonbrief.org/qa-how-can-countries-stop-subsidies-harming-biodiversity/
– die Waffenindustrie zu Reparationen an die Opfer ihrer Kriege zwinge (siehe zu den Möglichkeiten: wissenschaftlicher Artikel von Luke Moffet; konkreter: Peace Pledge Union)
Und schlussendlich soll die über 100 Jahre alte WRI-Erklärung ergänzt werden: Künftig soll Krieg nicht nur ein Verbrechen an der Menschheit sein, sondern auch eines gegen die Natur.
Webinar-Reihe von April bis Juli 2026: Disarming the Climate Crisis. Militarism and Climate Justice-Training
Und was macht das WRI-Netzwerk selbst?
Sie organisiert eine achtteiliges Webinar-Reihe unter dem Motto „Disarming the Climate Crisis“ (Entwaffnet die Klimakrise):
Teil 1: Was ist das Problem?
- 21st April, 14.00-15.30 – Session 1: Einleitung: Wie die Länder die Klimakrise militarisieren.
- 5th May, 14.00-15.30 – Session 2: Emissionen der Militärs
- 19th May, 14.00-15.30 – Session 3: Grenzen und Migration
- 2nd June, 14.00-15.30 – Session 4: Bergbauindustrien und indigene Gemeinden
Part 2: Aktionen planen
- 16th June, 14.00-15.30 – Session 5: Kommunikation an verschiedene Zielgruppen
- 30th June, 14.00-15.30 – Session 6: Wer gehört zu uns? Vernetzung mit anderen Gruppen und Bewegungsaufbau
- 14th July, 14.00-15.30 – Session 7: Aktionen in verschiedenen Räumen
- 28th July, 14.00-15.30 – Session 8: Evaluation, Zusammenfassung und nächste Schritte
Die Webinare werden auf Zoom stattfinden. Ameldungen über diese Seite: https://wri-irg.org/en/disarming-climate-crisis-register.
Die Webinare sind kostenlos, aber bei der Registrierung wird gefragt, ob nicht eine Spende dafür und für die Arbeit der WRI möglich wäre.
Für wen ist das Training gedacht?
Das Training ist gedacht für Menschen, die in Aktionsgruppen, Kampagnen und dem Engagement für sozialen Wandel aktiv sind. Ein Vorwissen über die Themen Militarismus und Klimawandel ist nicht nötig. Wir glauben, dass jede*r mit einem starken Interesse an Friedensarbeit, am Umweltschutz, an de Rechten der Migrant*innen an den staatlichen Grenzen oder allgemein an Sozialen Bewegungen und Organisationen etwas lernen werden, aber auch aktiv etwas beitragen können.
Das Training wird auf Englisch stattfinden Wir erwarten aber, dass einige (vielleicht sogar eine Mehrheit) Englisch nicht als Muttersprache haben werden. Daher werden wir sicherstellen, dass auch diese berücksichtigt werden.
Erwartungen
Die acht Sessions sind so konzipiert, dass die Teilnehmenden die Verbindungslinien verschiedener Bereiche erkennen. Wir gehen davon aus, dass nicht alle Personen an allen Sessions teilnehmen können, aber wir hoffen, dass sie versuchen werden, an so vielen Sessions wie möglich partizipieren werden.
Die Sessions werden eine Mischung aus Präsentationen und interaktiven Teilen sein.
Fazit
Die WRI lebt. Auch wenn es in manchen Regionen schwierig ist, Aktivitäten zu entfalten, beleben immer wieder neue Gruppen das Netzwerk, diesmal vor allem die Frauen aus dem Sudan. Hoffen wir, dass deren Arbeit für ein Ende des Krieges und für den Schutz der Menschen vorankommt!
Der ökologische Aspekt von Kriegen tritt immer weiter in den Fokus der WRI-Arbeit. Das kommt u.a. in dem Ansinnen zum Ausdruck, die 105 Jahre alte WRI-Grundsatzerklärung durch den Zusatz zu erweitern, dass Krieg ein Verbrechen auch gegen die Natur ist.
Ein erster konkreter Schritt ist die geplante achtteilige Webinar-Reihe im Frühjahr/Sommer.
Zu hoffen ist, dass mit der WRI-Ratsversammlung 2027 in Asien auch dort das antimilitaristische Engagement neuen Auftrieb erhält. Anders als in den Jahren zuvor stimmt die derzeitige finanzielle Lage der WRI zuversichtlich, dass sich solche Aktivitäten entfalten werden.
Zum Autor
Stephan Brües ist Ko-Vorsitzender des Bundes für Soziale Verteidigung und nahm als dessen Vertreter am WRI-Ratstreffen in Barcelona teil. Zudem ist er Redakteur von gewaltfreieaktion.de.